Service Learning in der Schule

Mit dem Service Learning in der Schule setzte ich mich erstmals in der schriftlichen Hausarbeit im Rahmen der Zweiten Staatsprüfung auseinander.

Anne Sliwka, Christian Petry und Peter E. Kalb beschreiben unter anderem in ihrem Buch „Durch Verantwortung lernen. Service Learning: Etwas für andere tun“, wie die aus Nordamerika stammende Idee sich in den 1980er Jahren zu einer Reformbewegung entwickelte, die in den 1990er Jahren mit der Entstehung von Umsetzungsmöglichkeiten in Schulen und Hochschulen ihren Höhepunkt fand (Vgl. Sliwka, Anne, „Freiwillig hätte ich das nie gemacht, jetzt würde ich das sofort wieder tun“: Erfahrungen mit Servive Learning an deutschen Schulen. Die Idee des Service Learning, in: Sliwka, Anne/Petry, Christian/Kalb, Peter E. (Hrsg.), Durch Verantwortung lernen. Service Learning: Etwas für andere tun, Weinheim und Basel 2004, S. 35).

Demnach ist das Service Learning eine Methode, bei der die Schüler und Schülerinnen durch Engagement lernen und sich durch aktive Arbeit in bewusst geplanten Projekten entwickeln (Vgl. ebd., S. 32). Wolfgang Huber betont, dass das Erfahrungslernen die Identifikation mit demokratischen Prozessen erleichtert, weil es das Bewusstsein, gebraucht und anerkannt zu werden, fördert. Aufgrund der Identitätsbildung würde eine Balance von Leistungs- und Lebensorientierung geschaffen (Vgl. Huber, Wolfgang, Zur Einführung: Ist die Schule überhaupt der Ort…?, in: Sliwka, Anne/Petry, Christian/Kalb, Peter E. (Hrsg.), Durch Verantwortung lernen. Service Learning: Etwas für andere tun, Weinheim und Basel 2004, S. 8f.).

In der ersten Phase des Service Learning wird das Problem ermittelt, welches es zu lösen oder zu beschränken gilt. Des Weiteren werden Ideen für Lösungsansätze gesammelt und die Schüler und Schülerinnen planen und organisieren die Projektarbeit. Es folgt die praktische Aktivität, die im Anschluss mit den Projektteilnehmern reflektiert wird (Vgl. Sliwka, Anne/Frank, Susanne, Service Learning. Verantwortung lernen in Schule und Gemeinde, Weinheim und Basel 2004, S. 9f.). Die Reflektion erfolgt regelmäßig während der Projektplanung und Projektdurchführung von Seiten der Schüler als auch der Lehrkräfte, die das Projekt betreuen. Oftmals findet eine enge Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern statt, die unterstützt werden oder sich helfend am Projekt beteiligen (Vgl. Sliwka, Anne, „Freiwillig hätte ich das nie gemacht, jetzt würde ich das sofort wieder tun“: Erfahrungen mit Servive Learning an deutschen Schulen. Die Idee des Service Learning, in: Sliwka, Anne/Petry, Christian/Kalb, Peter E. (Hrsg.), Durch Verantwortung lernen. Service Learning: Etwas für andere tun, Weinheim und Basel 2004, S. 33). Demnach sind beim Servive Learning die Lernenden von der Themenerarbeitung bis zur Durchführung aktiv beteiligt und übernehmen Verantwortung für den reibungslosen Ablauf (Vgl. Sliwka, Anne/Frank, Susanne, Service Learning. Verantwortung lernen in Schule und Gemeinde, Weinheim und Basel 2004, S. 10).

Bislang haben wenige Studien den Einfluss des Service Learning auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen untersucht, aber einzelne Forschungsergebnisse bestätigen bereits die positive Wirkung auf Charaktereigenschaften und soziale Kompetenzen (Vgl. Furco, Andrew, „Zufriedener, sozialer, sensibler und motivierter“: Hoffnungsvolle Ergebnisse in den USA. Hintergrund: Entwicklung in den USA, in: Sliwka, Anne/Petry, Christian/Kalb, Peter E. (Hrsg.), Durch Verantwortung lernen. Service Learning: Etwas für andere tun, Weinheim und Basel 2004, S. 15, 17, 21.).

Dieses Projekt habe ich bezüglich des Service Learning an meiner Ausbildungsschule durchgeführt:

Projektbeschreibung

Ich behandelte mit der Jahrgangsstufe 9 im bedarfsdeckenden Unterricht das Thema „Entwicklungspolitik am Beispiel Afrikas“. Diese Unterrichtsreihe wurde in Form einer Lernwerkstatt durchgeführt, in der mit Hilfe didaktisch-methodisch differenzierter Aufgabenstellungen Basiswissen vermittelt und das selbstständige Lernen unterstützt wurde. Die Schüler und Schülerinnen dieser Klasse beschäftigten sich an verschiedenen Stationen mit zahlreichen Themenschwerpunkten wie Geografie, Bildung, Armut, Krankheiten und Entwicklungshilfe. Die Erkenntnis, dass die Einwohner des Kontinents Afrika großteils fundamentale Probleme bei der Verwirklichung ihrer physischen Grundbedürfnisse haben und enorme Unterschiede zwischen Industrie- und Entwicklungsländern bestehen, trug dazu bei, dass sie sich über die Entwicklungsarbeit verschiedener Vereine informierten. Einzelne Schüler und Schülerinnnen waren von dem Engagement des Vereins „Madamfo Ghana e.V.“ (https://madamfo-ghana.de/) beeindruckt und äußerten den Wunsch, diesen Verein tatkräftig zu unterstützen. Daraufhin kontaktierte ich die Vereinsgründerin Frau Landgrafe, die einwilligte, den Schülern und Schülerinnen einzelne Projekte vorzustellen. Da sich einige Lernende besonders für das Engagement in der Entwicklungshilfe interessierten, entstand die Idee, eine Arbeitsgemeinschaft zu gründen.

Das Projekt „Afrika hautnah“ lief in vier Phasen ab. Zunächst wurde die Zusammenarbeit mit den interessierten Schülern und Schülerinnen meiner BDU-Klasse in einer Arbeitsgemeinschaft aufgebaut, die sich jede Woche einstündig zusammenfand. Anschließend wurden die Art der Unterstützung geklärt und die Projekttage vorbereitet.

Frau Landgrafe sprach in der Schule über ihrer Erlebnisse in Ghana sowie über ihre Entwicklungsarbeit vor Ort und den damit zusammenhängenden Problemen, wodurch die Schüler und Schülerinnen genaue Informationen über das Leben in einem Entwicklungsland erhielten und ihre Kenntnisse hinsichtlich der Entwicklungsproblematik erweitern konnten. Das Projekt verknüpfte somit auch fachliches Lernen mit gesellschaftlichem Engagement.

Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft planten und organisierten das Projekt, das an zwei Projekttagen stattfand. Zunächst erweiterten sie das Fachwissen der Klassenstufe 5 in der ersten Stunde gemäß der Methode „Schüler unterrichten Schüler“. In den folgenden fünf Unterrichtsstunden arbeiteten sie in drei verschiedenen Workshops, die von den Neuntklässlern angeleitet und betreut sowie von Lehrkräften beaufsichtigt wurden. In diesen konnten sie entweder einen afrikanischen Tanz einstudieren, Fußbälle und Autos aus Müll herstellen oder Musikinstrumente basteln. Am folgenden Tag fand der Projekttag für die Klassenstufe 6 statt. Wie am Vortag wurden auch die Sechtklässler in der ersten Unterrichtsstunde unterrichtet. Anschließend arbeiteten sie in vier Workshops. Sie konnten zwischen dem Kochen afrikanischer Gerichte, dem Herstellen von Schmuck und Spielen, dem Basteln von Schlüsselanhängern oder der Arbeit mit Serviettentechnik wählen.

Die in den Workshops hergestellten Produkte wurden am Elternsprechtag von den AG-Mitgliedern verkauft und der Erlös an „Madamfo Ghana e.V.“ gespendet und die AG-Mitglieder erhielten ein Zertifikat.

Das Feedback der sich engagierenden Schüler und Schülerinnen sowie der Lehrerkräfte war überaus positiv und laut Selbsteinschätzung der Lernenden führte das Service Learning in Form des Projektes „Afrika hautnah“ bei allen Beteiligten zu einem Kompetenzzuwachs.

Demnach ist es als sinnvoll zu erachten, wenn zukünftig das Lernen durch Engagement im schulischen Kontext an Bedeutung gewinnt und möglichweise ganz in die Lehrpläne integriert wird.

Hier einige Bilder von den entstandenen Produkten:

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Masken

 

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Bälle und T-Shirts

 

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Trommeln und Rasseln

 

Bild 5

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schmuck

 

Bild 4

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