Stationenlernen im Unterricht

Wie ist die Selbstständigkeit und aktive Lernzeit der Schüler und Schülerinnen besser zu fördern, als durch ein Stationenlernen? Das Stationenlernen verfügt über ein erhebliches Motivationspotential, da sich die Lernenden individuell mit der Thematik auseinandersetzen, wodurch sie die Initiative und Verantwortung für ihr Lernen übernehmen.

Dabei werden drei grundsätzliche Zielsetzungen berücksichtigt: Zunächst einmal können die Stationen in beliebiger Reihenfolge durchlaufen werden, denn jede Station behandelt einen abgeschlossenen Teilaspekt des Gesamtthemas. Ebenso entscheiden die Schüler und Schülerinnen selbst, ob sie die Aufgaben allein oder mit einem Partner erfüllen. Besonders leistungsschwächere Schüler können durch die Hilfestellungen leistungsstärkerer Schüler unterstützt werden. Da beim Stationenlernen Zusatzmaterialien bereitgestellt werden, mithilfe derer die Schüler und Schülerinnen ihren Lernzuwachs überprüfen, können sie die Anzahl der zu bearbeitetenden Stationen ihrem individuellen Lerntempo anpassen.

Damit die Lernenden für das selbstständige Lernen ohne ständige Kontrolle motiviert werden, sollten die Aufgaben beim Stationenlernen für alle lösbar sein. Diesbezüglich unterstützen auch in diesem Fall Hilfekarten den Lernprozess.

Auch beim Stationenlernen sollten die drei Phasen des Unterrichts (Einstieg, Erarbeitung, Ergebnissicherung/Schluss) eingehalten werden. Es bietet sich hierbei beispielsweise an, Stundenfragen zu einer ausgewählten Station zu formulieren. Dazu können natürlich auch Bilder, Hörspiele, Videosequenzen, Rätsel,… genutzt werden.

Beispiel bei einem Einstieg mit einer Stundenfrage: Zu Beginn der Unterrichtsstunde hören die Lernenden ein Hörspiel, das sich auf der Homepage des Neanderthalmuseums befindet (http://www.neanderthal.de/kids-co/neanderthaler/index.html). Dieses wird nach 1 Minute und 7 Sekunden gestoppt. Es soll die Frage beantwortet werden, was die Arbeiter damals fanden (Antwort: Sie fanden die Knochen des Neandertalers). Sollte es den Schülern und Schülerinnen bereits möglich sein, diese Frage zu beantworten, notieren sie die Lösung auf einen kleinen Zettel. Da sich die Stundenfrage auf eine spezielle Station bezieht, ist es möglich, dass einige die Frage überhaupt nicht oder erst am Ende der Unterrichtssunde lösen können. Ziel ist es, dass alle am Ende des Stationenlernens in der Lage sind, die Stundenfragen zu beantworten, sodass ihnen ihr allmählicher Lernzuwachs verdeutlicht wird.

An jeder Station erhalten die Lernenden ein Aufgabenblatt, gegebenenfalls ein Arbeitsblatt. Das Aufgabenblatt enthält gezielte Anweisungen, die die Schüler beachten müssen. Anhand des Aufgabenblattes können sie erkennen, welche Fragen sie beantworten müssen, wo sie entsprechende Hilfe erhalten oder welche Materialien oder Medien sie nutzen müssen, sodass aufgrund der genauen Arbeitsanweisungen organisatorische Fragen ausbleiben sollten. Die Aufgabenstellungen sind vielseitig, damit die Fähigkeiten von möglichst vielen Schülern und Schülerinnen angesprochen werden und die Stationen abwechslungsreich gestaltet sind: Identifizieren von Kernaussagen aus Sachtexten, Bearbeiten von Lückentexten, Lösen von Silbensrätseln, eigenständiges Recherchieren von Informationen mithilfe schulischer und außerschulischer Medien (Schulbuch, Schülerlexika oder Internet), kreatives Schreiben von Geschichten, Erstellen von Rollenspielen, Festhalten von Eindrücken in einem Bild,… Hauptsache vielfältig!

Die Schüler und Schülerinnen besitzen beim Stationenlernen einen Laufzettel, auf dem sie die bearbeiteten Stationen abhaken. Zusätzlich tragen sie sich in eine Übersicht über die Stationen, die an der Wand hängt, ein (Übersicht über die bereits bearbeiteten Stationen). Diese gewährleistet einen Überblick, wer bestimmte Stationen schon bearbeitet hat und somit als „Experte“ bei eventuellen Problemen helfen kann. Die Lehrkraft ist während der Arbeitsphase Beobachter (Beobachtungsbogen), Berater und zieht sich aus dem Mittelpunkt des Unterrichtsgeschehens soweit es geht zurück.

Nach jeder bearbeiteten Station zeigen die Schüler und Schülerinnen ihre Ergebnisse dem Lehrer und erhalten ein Lösungsblatt. Die selbstständige Lösungskontrolle fördert das eigenverantwortliche Lernen.

Am Ende einer jeden Unterrichtsstunde werden die Lernenden nacheinander aufgefordert, die Stationen zurückzubringen und sich gegebenenfalls in die Übersichtsliste einzutragen. Anschließend füllen sie ihr Lerntagebuch aus. Die Dokumentation des Lernprozesses und des Lernverhaltens trägt dazu bei, dass die Schüler und Schülerinnen ein Bewusstsein für den eigenen Lernprozess entwickeln.

Um den Lernzuwachs zu verdeutlichen, werden die Lernenden aufgefordert, nochmalig über die Einstiegsfrage nachzudenken und die Lösung, wenn diese mittlerweile bekannt ist, zu notieren oder möglicherweise ihr Ergebnis zu überprüfen und zu verbessern.

Am Ende des Stationenlernens wird das Lerntagebuch intensiv ausgewertet, sodass sich die Selbsteinschätzung von erbrachter Leistung und eigenem Verhalten spürbar verbessern und gezielte Rückmeldungen durch den Lehrer erfolgen können.

Beispiel für den Unterricht: Ich habe für das Fach Geschichte ein Stationenlernen zum Thema Altsteinzeit mithilfe von Roswitha Tewes-Ecks und Erich Dunkels „Lernerlebnis. Entdecken – Handeln – Verstehen. Ur- und Frühgeschichte“ und „Zeitreise 1“ vom Klett-Verlag entworfen. Diese Lehrwerke bieten einen guten Überblick über das Thema, sind informativ, anschaulich aufgrund der farbigen Gestaltung und motivieren durch die unterschiedliche Darstellungsweise und die verschiedenen Aufgabentypen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*