Alltag eines Lehrers

Wer kennt das nicht: „Lehrer haben sooooo viel Ferien und nachmittags immer frei…“ *hust* Diese Menschen wissen nicht, wovon sie reden, sage ich nur. Natürlich klingt es erst einmal nicht viel: 28 Stunden in der Woche, jeden Tag von ca. 08.00 Uhr bis 13.15 Uhr. Im Gegensatz zu anderen Berufszweigen, in denen 40 und mehr Stunden der Normalfall sind… Wer sieht schon die Arbeit am Nachmittag oder an den Wochenenden, die viele Berufstätige doch ganz und gar für ihre Freizeitgestaltung nutzen?

Im Prinzip kann man es sich nur vorstellen, wenn man es wirklich erlebt hat. Die Klassen werden immer heterogener und die Schüleranzahl steigt stetig. Das heißt, eine gewisse Lautstärke in den Klassenräumen und auf dem Pausenhof ist unvermeidbar. Apropos Pausen… die sind gefühlte 5 Minuten lang (Schüler, die noch Fragen stellen, Kollegen, mit denen man sich besprechen muss, Änderungen am Vertretungsplan, Kopien, die man vergessen hat,…). Da schafft man es kaum, sein Frühstück auszupacken. Am Nachmittag wollen Eltern alles genau wissen. Elternanrufe im Stundentakt, E-Mails, die beantwortet werden müssen,… Nebenbei liegen noch die Klassenarbeiten von gestern auf dem Schreibtisch, Lernzielkontrollen von letzter Woche wollen noch kontrolliert werden. Die Plakate von heute liegen auch schon bereit. Ach, die Vorträge der einzelnen Gruppen nicht zu vergessen. In zwei Wochen findet der Wandertag statt, Elternbriefe müssen auch noch erstellt werden. Und der Unterricht? Der ist immer noch nicht vorbereitet. Und das für alle Stunden am morgigen Tag. Gut, wenn man da bereits einige Materialien zur Verfügung hat. Aber selbst dann muss alles durchdacht und gut strukturiert sein. Es funktioniert nicht, wenn man einfach nur ein Arbeitsblatt austeilt oder das Buch aufschlägt, den Text liest und Aufgaben bearbeitet. Planloser Unterricht wird von den Schülern und Schülerinnen oft durchschaut und entsprechend gewürdigt- Unterrichtsstörungen sind vorprogrammiert.

Wie schön war es doch als Lehramtsanwärter, wo man noch die Zeit hatte, sich haarklein zu überlegen, wie man den Einstieg motivierend gestaltet, Arbeitsblätter selbst herstellen konnte – sprich, der Kreativität keine Grenzen gesetzt waren. Wenn man jetzt noch etwas Freizeit haben möchte, vertagt man kreative Phasen bis zu den Ferien. Und selbst da schafft man es nur, sich über einzelne Themen Gedanken zu machen. Aber: ein Thema = ein Fach = eine Jahrgangsstufe = meist eine Klasse = meist nur zwei Stunden in der Woche = 26 von 28 Stunden didaktisch und methodisch wertvoll. Und es ist zu bedenken, dass damit gerade mal ein kurzer Zeitraum abgedeckt werden kann. Zwischendurch Dienstbesprechungen, Lehrerkonferenzen, Fachkonferenzen,… Es gibt immer etwas zu tun. Selbst, wenn man nur das Material für den nächsten Tag kopieren und lochen oder Termine absprechen muss.

Dazu: die nicht immer so motivierten Schüler und Schülerinnen, die träumend auf ihren Bänken sitzen, auf ihren Collegeblock malen, mit dem Banknachbarn tuscheln, vergessene Hausaufgaben nachholen, noch für den Test in der nächsten Stunde lernen oder gar mit dem Handy spielen. Es gilt die Faustregel: Montags sind viele Schüler und Schülerinnen noch ganz müde vom Wochenende, Dienstag freunden sie sich mit der unausweichlichen Situation an, Mittwoch ist schon wieder die Luft raus, am Donnerstag freuen sie sich auf den Freitag und freitags sind sie gedanklich schon im Wochenende. Ein Kreislauf von den Sommerferien bis zu den Herbstferien, von den Herbstferien zu den Weihnachtsferien, von den Weihnachtsferien zu den Osterferien und von den Osterferien zu den Sommerferien.

Wer wird da nicht müde? Dies gilt nicht nur für die Schüler, auch Lehrer sind besonders gefährdet, in diesen Trott zu verfallen.  Was hilft? Ich denke, es ist wichtig, immer den Anspruch an sich selbst zu stellen, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren- auch wenn man nicht mehr weiß, inwieweit man sich didaktisch noch stärker reduzieren kann. Mein Anspruch: Eigenes Unterrichtsmaterial zu erstellen, das speziell auf die Fähigkeiten der einzelnen Schüler und Schülerinnen abgestimmt ist.

Wer einen humorvollen Einblick in den Alltag eines Lehrers erhalten möchte, der sollte sich folgende Bücher nicht entgehen lassen:

Phillipp Möller: „Isch geh Schulhof: Unerhörtes aus dem Alltag eines Grundschullehrers“

Wilma Pause: „Zuhause ist Kevin ganz anders“

Frau Freitag: „Für mich ist auch die 6. Stunde“: Überleben unter Schülern“

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