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„Wollten Sie eigentlich schon immer Lehrerin werden?“

Amüsiert schaue ich in die Augen meiner Schüler, die sich gerade selbst mit dem Thema Berufswahl auseinandersetzen, und mich fragen, ob ich eigentlich schon immer Lehrerin werden wollte.

Das ist eine gute und berechtigte Frage. Ich kann gut nachvollziehen, dass es einigen Schülerinnen und Schülern in diesem Alter besonders schwerfällt, eine Entscheidung hinsichtlich ihrer Berufswahl zu treffen, die zumindest in nächster Zeit das weitere Leben bestimmen wird. Mit 15 oder 16 Jahren hat man sicherlich auch andere Dinge im Kopf. Schule und Berufsleben scheinen bei manchen Schülern noch ganz weit weg zu sein. Letztlich müssen sie sich aber damit auseinandersetzen und finden hoffentlich mit der richtigen Hilfe und Beratung einen Beruf, den sie mit Freude und Engagement ausüben.

Wollte ich schon immer Lehrerin werden?

Als Kind habe ich immer meine Puppen schlafen gelegt. Besonders meine Großeltern werden jetzt wohl schmunzeln. Wie oft habe ich wohl die Holzbretter, auf denen meine Puppen und auch die vielen Kuscheltiere schlafen mussten, umgebettet? Zur Mittagszeit darf man sich schließlich nicht gegenseitig stören. 😉 Also, zunächst beantworte ich die Frage immer mit einem NEIN. Eigentlich wollte ich zunächst gerne im Kindergarten als Erzieherin arbeiten. Zumindest ist es das, woran ich mich erinnern kann. Aber ganz abwegig ist es ja nicht, schließlich arbeitet man auch als Lehrerin mit Kindern.
Als ich in die Schule kam, fand ich es allerdings ziemlich spannend, Diktate zu schreiben und sie letztlich selbst zu korrigieren. Auch auf Schönschrift wurde geachtet. Jeder „Schüler“ hatte sein eigenes Heft und bekam natürlich auch die entsprechende Note. Hin und wieder waren Verwandte und Bekannte auch bereit, sich einen Text diktieren zu lassen. Natürlich wurde dann umso intensiver nach Fehlern gesucht. 😉

Also, antworte ich dann schließlich, dass ich schon immer wusste, dass ich gerne mit Kindern und auch Jugendlichen arbeiten würde, aber ich erst während meiner Schulzeit gemerkt habe, dass ich es auch toll finde, auf vielfältige Weise Inhalte zu vermitteln.

Natürlich ist auch nicht immer alles toll und sicherlich habe ich auch schon des Öfteren geschimpft und mich gefragt, warum ich nicht einen Beruf gewählt habe, wo ich den ganzen Tag mit mir selbst beschäftigt sein kann. Ohne dieses ständige Gewusel, die Lautstärke, die Korrekturen, die Ermahnungen oder das Verhalten einiger Schüler. Selbst manche Antworten in Tests oder Arbeiten lassen mich manchmal regelrecht verzweifeln und ich frage mich, ob ich überhaupt jemals vor der Klasse stand. Manchmal denke ich mir, es gibt nicht umsonst solche Ratgeber für den Lehreralltag: Das Survival-Handbuch für Lehrer. 😉

Einfach ist der Beruf nicht, aber gerade diese Herausforderung macht diesen Beruf so interessant und abwechslungsreich. Kein Tag ist wie der andere und manchmal entwickeln die einzelnen Stunden auch eine positive Eigendynamik, auf die improvisierend eingegangen werden muss. Es gibt auch einfach diese Tage, wo liebe Schüler vor mir sitzen, eifrig arbeiten und die tollsten Produkte herstellen und ich dann den Sinn sehe, vor der Klasse zu stehen.

Ich bin gerne Lehrerin und genieße, wie jeder andere auch, manche Tage mehr als andere. Sicherlich spielt auch immer die jeweilige Tagesform eine Rolle. Letztendlich bin ich aber froh, dass ich diesen Beruf gewählt habe.

Und deswegen kann ich guten Gewissens meinen Schülern sagen, dass es vielleicht nicht die erste Wahl gewesen ist, aber die richtige.

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